Berlin Tag 2

Do 6. Januar 2005  

Der Tag fing mit einem irritierenden „der Patient soll nüchtern bleiben“ Schild an unserer Zimmertür an. Die Schwestern hatten sich im OP Datum geirrt und bis ein Arzt aufzutreiben war blieb Jannik auch tapfer nüchtern. Das war sozusagen die Generalprobe für den morgigen Tag und als sie bestanden war gingen wir gemeinsam in die Kantine frühstücken. Weil ich hochoffiziell mit aufgenommen bin bekomme ich mein Essen auf Krankenkassenkosten, was sehr erfreulich ist – vor allem für die, die Kinderkliniken kennen... 

Den Vormittag verbrachten wir mit der Pflichtdisziplin eines jeden Krankenhauses – Warten. Warten auf die Visite, warten auf die notwendige Blutabnahme, warten auf einen Termin zum Röntgen (die Ärzte wollten ein Bild von Janniks Lunge um ganz sicher zu sein, dass nach der letzten, noch nicht lange überstandenen, Lungenentzündung auch wirklich nichts zurückgeblieben ist), warten auf die Physiotherapeutin und warten auf den Anästhesisten. 

Als wir endlich zum Röntgen gerufen wurden warteten wir eine weitere Stunde vor dem Röntgenraum – ich rate allen Lesern, niemals, absolut niemals ohne Lesestoff oder Gameboy irgendwohin in einer Klinik zu gehen, egal wie glaubwürdig man auch versichert bekommt, dass es nicht lange dauern wird. „Nicht lange“ hat in Kliniken eine andere Dimension als bei Zivilisten. 

Zwischendurch vertreiben wir uns die Zeit mit dem „Drachenreiter“, „Vier gewinnt“ und dem unvermeidlichen „Mensch ärgere dich nicht“. Der Übersicht halber hat Jannik eine Mensch-ärgere-dich-nicht-Gewinnerliste erstellt. Stand am späten Nachmittag 2:2 

Janniks Physiotherapeutin ist Frau Nickel. Frau Nickel ist eine resolute, energische Person; sehr nett, sehr kompetent und sehr fordernd. Zum Glück ist Jannik was Physiotherapeuten dieses Schlages angeht vorbelastet (einen lieben Gruß an dieser Stelle an die kleine Schwester und Patentante). Er atmete als brav in die vorgegebenen Stellen und konnte auch die Atemtherapie-Spielzeuge prima bedienen. Atemtherapie wird für Jannik nach der OP sehr wichtig sein, da seine Lunge voll mit Schleim ist, der dort weg muss. Er bekam zwei als Spielzeuge getarnte Geräte geschenkt:

 Aber die Masche funktioniert, Jannik pustet immer wieder mal in die Teile rein. Er sieht jetzt, wie seine Lunge jetzt im Moment funktioniert. Nach der OP wird das wesentlich weniger sein und er wird wissen, wo sein Ziel sein wird. Erstmal so gut werden wie vor der OP und dann durch die OP besser als davor. Frau Nickel (O-Ton Frau Nickel: „Du atmest jetzt solange ein bis Frau Nickel dir sagt, dass es genug ist!!“) wird ihn nach der OP auch aus dem Bett jagen – Bewegung muss sein. Schon zwei bis drei Tage nach der OP soll Jannik mit mir auf dem Klinikgelände spazieren gehen – und Treppen steigen, wer benutzt schon einen Aufzug?

Wir warteten insgesamt bis halb vier, dann war auch endlich die Anästhesistin da und anschließend noch mal Professor Schaarschmidt, für wenn ich oder Jannik noch Fragen hätten. Jannik bestellte Photos von seiner Leber, seinem Magen und eine Gesamtaufnahme seines Bauchraums – mit irgendwas muss man ja bei seinem Schulkameraden angeben. Hat garantiert niemand anderes. 


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